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Altersvorsorge auch bei kleinem Einkommen? Warum das Argument „Ich bin sowieso auf Grundsicherung angewiesen“ nicht stimmt

„Wozu spare ich, wenn ich im Alter eh aufs Amt angewiesen bin?“ Das ist der meistgehörte Einwand gegen private Altersvorsorge bei Menschen mit kleinem Einkommen. Und er ist nachvollziehbar – aber falsch.

Denn freiwillig aufgebaute Altersvorsorge wird bei der Grundsicherung nicht vollständig angerechnet. Das Gesetz sieht ausdrücklich Freibeträge vor, die sicherstellen, dass sich Eigenvorsorge auch dann lohnt, wenn im Alter staatliche Unterstützung nötig werden sollte. Wer das nicht weiß, lässt oft bares Geld liegen – jahrzehntelang.

Wie funktioniert der Freibetrag bei der Grundsicherung?

Die gesetzliche Regelung findet sich in §82 Abs. 4 SGB XII. Danach gilt für laufende Renten aus zusätzlicher Altersvorsorge:

Die ersten 100 Euro monatlich bleiben vollständig anrechnungsfrei – sie reduzieren die Grundsicherung nicht. Von dem Betrag, der über 100 Euro liegt, bleiben weitere 30 Prozent unangerechnet. Die Obergrenze des gesamten Freibetrags liegt bei 50 Prozent des aktuellen Regelbedarfs. Da der Regelsatz der Grundsicherung im Alter 2026 bei 563 Euro liegt, beträgt der Höchstfreibetrag 281,50 Euro monatlich.

Dieser Freibetrag gilt für alle Formen der freiwillig aufgebauten Altersvorsorge: private Rentenversicherungen, Riester-Renten, Rürup-Renten (Basisrenten), betriebliche Altersvorsorge sowie Ansprüche aus freiwilligen Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Rentner hat Anspruch auf Grundsicherung. Er erhält aus seiner privaten Rentenversicherung 150 Euro monatlich.

Die ersten 100 Euro sind vollständig anrechnungsfrei. Von den übrigen 50 Euro bleiben 30 Prozent – also 15 Euro – ebenfalls unangerechnet. Sein gesamter Freibetrag beträgt damit 115 Euro im Monat.

Das bedeutet: Er bekommt 115 Euro mehr als jemand, der nie vorgesorgt hat – auch wenn er auf Grundsicherung angewiesen ist. Jahrzehnte der Eigenvorsorge machen also einen messbaren Unterschied, selbst wenn das Ergebnis gering ist.

Je höher die Zusatzrente, desto mehr profitiert man bis zur Obergrenze. Wer aus privater Vorsorge 400 Euro monatlich erhält, hat zwar den Höchstfreibetrag von 281,50 Euro erreicht und darüber hinaus Anrechnung – aber er steht finanziell trotzdem deutlich besser da als ohne jegliche Vorsorge.

Wer profitiert besonders? Geringverdiener mit Riester-Förderung

Für Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen ist die Riester-Rente nach wie vor eines der am stärksten staatlich geförderten Vorsorgeprodukte. Der Grund: Die Zulagen sind unabhängig vom Einkommen – wer wenig verdient, zahlt wenig ein und bekommt trotzdem volle Zulage.

Die Grundzulage beträgt derzeit 175 Euro pro Jahr. Für jedes kindergeldberechtigte Kind, das ab 2008 geboren wurde, kommen 300 Euro Kinderzulage pro Jahr hinzu.

Ein Beispiel: Eine alleinerziehende Mutter mit zwei nach 2008 geborenen Kindern, die in Teilzeit arbeitet, erhält bis zu 775 Euro Zulagen pro Jahr (175 + 300 + 300). Den vollen Förderbetrag gibt es, wenn sie mindestens vier Prozent ihres Vorjahresbruttoeinkommens einzahlt – abzüglich der erhaltenen Zulagen. Bei sehr niedrigem Einkommen reicht manchmal der Mindesteigenbeitrag von 60 Euro im Jahr, also fünf Euro im Monat, um die vollen Zulagen zu erhalten.

Der Staat finanziert in solchen Fällen den Großteil des Sparens. Das ist ein Hebel, den kaum ein anderes Vorsorgeprodukt in dieser Deutlichkeit bietet.

Was sollte man beim Riester-Abschluss beachten?

Nicht jeder Riester-Vertrag ist empfehlenswert. Viele ältere Verträge haben hohe Abschluss- und Verwaltungskosten, die die Rendite erheblich schmälern – in manchen Fällen bis ins Negative. Welche Riester-Verträge heute noch sinnvoll sind und wann ein bestehender Vertrag zur Kostenfalle wird, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag: Riester und Rürup 2026: Wann der alte Altersvorsorgevertrag zur Kostenfalle wird

Einen vollständigen Überblick über alle Vorsorge- und Kapitalprodukte, die wir für Sie vergleichen können: → Vorsorge & Kapital

Wenn Sie wissen möchten, ob und wie sich private Vorsorge für Ihre persönliche Situation lohnt – auch bei einem kleinen Einkommen – sprechen Sie uns gerne an. Das kostet Sie nichts.

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