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Altersvorsorgedepot vs. Riester-Rente: Der direkte Vergleich

„Was ist jetzt eigentlich besser, mein alter Riester-Vertrag oder das neue Altersvorsorgedepot?“ Diese Frage hören wir seit Wochen immer häufiger, und die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, was Ihnen wichtiger ist, Sicherheit oder Renditechancen. Damit Sie diese Abwägung für sich selbst treffen können, stellen wir hier beide Systeme direkt nebeneinander. Einen allgemeinen Überblick über die Reform finden Sie zusätzlich in unserem Beitrag Altersvorsorgedepot 2027: Was die Rentenreform für Sie bedeutet.

Die Beitragsgarantie ist der grundlegendste Unterschied

Bei Riester ist die Beitragsgarantie Pflicht: Der Anbieter muss zu Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge inklusive Zulagen garantieren. Das klingt sicher, hat aber einen Preis, denn diese Garantie zwingt Anbieter dazu, das Geld überwiegend in sehr konservative Anlagen zu stecken, die in Niedrigzinsphasen kaum Rendite abwerfen. Beim Altersvorsorgedepot entfällt diese Pflicht. Sie können sich für die Variante ohne Beitragsgarantie entscheiden, mit voller Marktteilnahme und entsprechend höheren, aber eben auch schwankenden Renditechancen, oder wahlweise für ein Garantieprodukt mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie, das dem Riester-Prinzip näherkommt. Diese Wahlfreiheit gibt es bei Riester nicht.

Die Förderung fällt beim Altersvorsorgedepot höher aus

Bei Riester liegt die maximale Grundzulage bei 175 Euro im Jahr. Beim Altersvorsorgedepot sind es bis zu 540 Euro, bei unmittelbar Förderberechtigten gestaffelt mit 50 Cent je Euro für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag und 25 Cent je Euro für weitere Beiträge bis 1.800 Euro. Auch die Kinderzulage ist beim Altersvorsorgedepot als klares 1:1-Matching organisiert: Für jeden eingezahlten Euro pro Kind gibt es einen Euro dazu, bis maximal 300 Euro je Kind, bereits erreicht bei 300 Euro Eigenbeitrag pro Kind im Jahr. Bei Riester ist die Kinderzulage ein fester Betrag von bis zu 300 Euro beziehungsweise 185 Euro je nach Geburtsjahrgang des Kindes, unabhängig von der genauen Beitragshöhe. Zusätzlich gibt es beim Altersvorsorgedepot einen einmaligen Berufseinsteiger-Bonus von 200 Euro für unter 25-Jährige, den Riester nicht kennt.

Wer förderberechtigt ist, unterscheidet sich deutlich

Riester richtet sich im Kern an Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung, Beamte und einige weitere klar definierte Gruppen. Selbständige waren bislang meist außen vor. Beim Altersvorsorgedepot wird dieser Kreis ausdrücklich erweitert: Selbständig Erwerbstätige mit begünstigten Einkünften und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungseinrichtungen können unter bestimmten Voraussetzungen erstmals unmittelbar förderberechtigt sein. Wer als Selbständiger genau infrage kommt, haben wir in unserem Beitrag Altersvorsorge für Selbständige: Das ändert das Altersvorsorgedepot 2027 beschrieben.

Die Auszahlung ist beim Altersvorsorgedepot flexibler

Bei Riester wird das Kapital klassischerweise fast vollständig als lebenslange Rente ausgezahlt. Beim Altersvorsorgedepot haben Sie zu Beginn der Auszahlungsphase, die grundsätzlich zwischen dem 65. und 70. Lebensjahr beginnt, optional eine Einmalentnahme von bis zu 30 Prozent des Kapitals, und für den Rest die Wahl zwischen einer lebenslangen Leibrente oder einem befristeten Auszahlplan, der mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr laufen muss. Wie genau sich diese beiden Wege unterscheiden, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag Leibrente oder Auszahlplan.

Was mit bestehenden Riester-Verträgen passiert

Wichtig für alle, die schon einen Riester-Vertrag besitzen: Er läuft mit Bestandsschutz und der bisherigen Förderlogik weiter, wenn Sie nichts unternehmen. Neu abschließen lässt sich ein klassischer Riester-Vertrag ab 2027 allerdings nicht mehr, Neuverträge gibt es dann nur noch nach der neuen Systematik. Welche der vier möglichen Wege, vom unveränderten Fortführen bis zur Übertragung in einen neuen Vertrag, für Ihren konkreten Vertrag sinnvoll sein könnte, haben wir in unserem Beitrag Riester-Vertrag 2027: Behalten, wechseln oder übertragen? im Detail beschrieben.

Die Kosten hängen stärker vom gewählten Produkt ab

Bei Riester schwanken die Kosten je nach Vertrag und Anbieter teils erheblich, ältere Verträge sind hier oft besonders teuer. Beim Altersvorsorgedepot gilt für das sogenannte Standarddepot ein gesetzlicher Kostendeckel von maximal 1,0 Prozent Effektivkosten im Jahr. Beim freien Altersvorsorgedepot, bei dem Sie Ihre Fonds und ETFs selbst wählen, gibt es diesen Deckel nicht, hier bestimmen Depotgebühr und Fondskosten gemeinsam die Gesamtbelastung. Was Standarddepot und freies Depot konkret unterscheidet, lesen Sie in unserem Beitrag Altersvorsorgedepot: Standarddepot oder freies Depot.

Für wen bleibt Riester trotzdem sinnvoll?

So attraktiv das Altersvorsorgedepot auf den ersten Blick wirkt: Riester ist nicht per se schlecht. Wer bereits einen kostengünstigen Riester-Vertrag mit guten Konditionen aus früheren Jahren besitzt, oder wer aufgrund vieler Kinder von der festen Kinderzulage besonders profitiert, kann mit dem bestehenden Vertrag weiterhin gut fahren. Eine pauschale Aussage, dass die neue Förderung für jeden automatisch besser ist, wäre nicht seriös. Es kommt auf Ihren konkreten Vertrag, Ihre Risikobereitschaft und Ihren verbleibenden Anlagehorizont an.

Kurz beantwortet

Ist das Altersvorsorgedepot der Nachfolger von Riester? Es tritt an die Stelle des Neugeschäfts. Ab 2027 lassen sich klassische Riester-Verträge nicht mehr neu abschließen, bestehende Verträge laufen aber unverändert mit Bestandsschutz weiter.

Bekomme ich beim Altersvorsorgedepot automatisch mehr Förderung als bei Riester? In den meisten Fällen ja, insbesondere bei der Grundzulage. Bei sehr geringen Beiträgen und vielen Kindern kann die feste Riester-Kinderzulage im Einzelfall aber ebenfalls attraktiv sein.

Muss ich mich zwischen beiden Systemen entscheiden? Nur, wenn Sie einen bestehenden Riester-Vertrag aktiv in die neue Förderung überführen möchten. Ansonsten können ein bestehender Riester-Vertrag und ein neues Altersvorsorgedepot grundsätzlich nebeneinander bestehen, allerdings nicht mit paralleler voller Förderung für dieselbe Zeitspanne.

Welches System oder welche Kombination für Ihre persönliche Situation am meisten Sinn ergibt, schauen wir uns gerne gemeinsam mit Ihnen an, ohne Bindung an eine bestimmte Gesellschaft. Jetzt Beratungstermin vereinbaren.