Aktuelle Beiträge
Schwangerschaft und Diagnose Trisomie 21: Diese Versicherungsentscheidungen sollten Sie jetzt schon treffen
Die Diagnose während der Schwangerschaft verändert vieles auf einmal. Arzttermine, Gespräche, Informationen, die verarbeitet werden wollen. Versicherungsfragen stehen in dieser Phase verständlicherweise nicht ganz oben auf der Liste. Und genau das kann später teuer werden, denn bei einigen Absicherungen gibt es ein Zeitfenster, das sich nach der Geburt unwiderruflich schließt.
Dieser Beitrag richtet sich an Eltern, die während der Schwangerschaft von einer Trisomie 21 oder einer anderen angeborenen Behinderung ihres Kindes erfahren haben und wissen möchten, welche Versicherungsentscheidungen jetzt wirklich eilig sind und welche Zeit haben.
Warum der Zeitpunkt bei manchen Versicherungen entscheidend ist
Viele private Zusatzversicherungen, insbesondere die private Pflegezusatzversicherung sowie Kranken- und Zahnzusatzversicherungen, lassen sich für Neugeborene über die sogenannte Kindernachversicherung ohne eigene Gesundheitsprüfung abschließen, wenn ein Elternteil selbst bereits entsprechend versichert ist. Voraussetzung ist meist, dass die Anmeldung innerhalb weniger Wochen nach der Geburt erfolgt.
Ist eine Behinderung des Kindes bereits während der Schwangerschaft bekannt oder wird sie vermutet, empfiehlt sich deshalb ein wichtiger Schritt: Die Eltern schließen rechtzeitig vor der Geburt selbst eine passende private Pflegezusatzversicherung ab, idealerweise mehrere Monate im Voraus. Über die Kindernachversicherung kann das Kind dann automatisch mitversichert werden, ohne eigene Gesundheitsprüfung und ohne Risikozuschlag, sofern die Anmeldung fristgerecht nach der Geburt erfolgt.
Wird dieses Fenster verpasst, wird es danach schwierig. Eine Pflegezusatzversicherung für ein Kind mit bekannter Behinderung ist am freien Markt praktisch kaum noch abschließbar. Was eine private Pflegezusatzversicherung konkret leistet und worauf Sie beim Vergleich achten sollten, erklären wir in unserem Ratgeber zur passenden Pflegezusatzversicherung.
Was noch Zeit hat: die Unfallversicherung
Anders als bei der Pflegezusatzversicherung gibt es bei der privaten Unfallversicherung in der Regel keine vergleichbar enge Nachversicherungsfrist, die an den Pflegegrad gekoppelt ist. Hier steht meist ohnehin erst nach der Geburt im Vordergrund, welche Gesundheitsfragen im Antrag konkret gestellt werden und ob eine Begleiterkrankung wie Epilepsie eine Rolle spielt. Welche Tarifdetails bei der Unfallversicherung für Kinder mit Pflegegrad entscheidend sind, lesen Sie in unserem vertiefenden Beitrag dazu.
Das heißt nicht, dass Sie sich während der Schwangerschaft nicht bereits informieren dürfen. Es bedeutet nur, dass hier weniger akuter Zeitdruck besteht als bei den Zusatzversicherungen.
Was Sie während der Schwangerschaft konkret klären sollten
Erstens, ob bereits ein Elternteil eine private Pflegezusatzversicherung hat, über die eine Kindernachversicherung überhaupt möglich wäre. Falls nicht, sollte geprüft werden, ob ein eigener Abschluss vor der Geburt sinnvoll ist, allein um dem Kind später die Mitversicherungsmöglichkeit zu eröffnen.
Zweitens, welche Fristen der jeweilige Anbieter für die Kindernachversicherung nach der Geburt vorsieht. Diese Fristen unterscheiden sich zwischen den Anbietern und sollten frühzeitig, nicht erst im Kreißsaal, bekannt sein.
Drittens, ob eine Krankenhauszusatzversicherung für die Familie sinnvoll ist, gerade wenn im Zusammenhang mit der Diagnose mit häufigeren stationären Aufenthalten zu rechnen ist.
Ein Gedanke, der vielen Eltern in dieser Situation hilft: Sie müssen nicht alles gleichzeitig entscheiden. Es reicht, die Reihenfolge zu kennen und die Fristen nicht zu verpassen.
Typisch ist zum Beispiel folgende Situation aus unserer Beratungspraxis
Werdende Eltern erfahren in der Schwangerschaft von der Diagnose und melden sich häufig erst nach der Geburt, wenn der Alltag mit dem Neugeborenen sich etwas eingespielt hat. Zu diesem Zeitpunkt ist das Fenster für die Pflegezusatzversicherung ohne Gesundheitsprüfung dann bereits geschlossen. Ein Gespräch bereits während der Schwangerschaft hätte diese Option offengehalten.
Wenn Sie mitten in dieser Phase stecken, sprechen Sie frühzeitig mit uns. Ein kurzes Gespräch vor der Geburt kann später eine Tür offenhalten, die sich sonst schließt.
Was danach kommt
Nach der Geburt verschiebt sich der Fokus dann meist auf die Unfallversicherung und die Privathaftpflicht der Familie. Was bei der Haftpflichtversicherung für Familien mit einem Kind mit Behinderung besonders wichtig ist, erklären wir in einem eigenen Beitrag. So bauen Sie Schritt für Schritt einen Versicherungsschutz auf, der wirklich zu Ihrer Familie passt, ohne dass Sie in der ohnehin herausfordernden ersten Zeit alles auf einmal entscheiden müssen.

